move berlim
Das zweite Festival des zeitgenössischen brasilianischen Tanzes in Berlin


  move berlim 2003 brachte Berlin zum Tanzen und Staunen. Dieses erste Festival des zeitgenössischen brasilianischen Tanzes widmete sich der Vielfalt und Wurzeln dieser jungen, vitalen Tanzszene abseits der großen Zentren und verdeutlichte das Wiedererstarken dieser Kulturnation nach den Jahren der Militärdiktatur. Die Wirkung dieses Festivals war so ermutigend, daß wir uns entschlossen, das Erreichte in einem Festival weiterzuentwickeln, welches den sich in Brasilien rasant verändernden Realitäten Rechnung trägt.

Die im Herbst 2002 gewählte Arbeiterpartei PT stellt zum ersten Mal in der brasilianischen Geschichte eine "Regierung des Volkes". Die ganze Welt schaute erwartungsvoll auf diesen Aufbruch und die erhofften Veränderungen. Mittlerweile zeigen einige der Regierungsprogramme erste Wirkung. Was sich in den letzten Jahren aber vor allem ändert, ist die Einstellung zu den Lebensverhältnissen. Statt Schicksalsergebenheit, Aufbruchstimmung und Bereitschaft, mit viel Energie Land und eigenes Leben voranzubringen. Im zeitgenössischen Tanz werden neue Fragen relevant: Was ist das, der brasilianische Körper? Wie ist mit dem Bewegungserbe der einzelnen Regionen und der Menschen, die mir ihrer unterschiedlichen Herkunft und Geschichte diese Nation bilden, verantwortungsvoll umzugehen? Wie spiegeln sich soziale Realitäten und politischer Aufbruch in der bewegten Kunst wider?

Der brasilianische Tanz speist sich aus regionalen Wurzeln und dem kulturellen Erbe der Bewohner Brasiliens. Und er fußt auf extremen Lebenswirklichkeiten. Nach der Redemokratisierung dauerte es eine Weile, bis explizit politische Themen und radikale Bearbeitungen der jüngeren Geschichte Brasiliens und der extremen sozialen Brüche als Themen und Arbeitsfelder im Tanzschaffen wieder auftauchten. Dieses mannigfaltige Spektrum und die Politisierung des Tanzes spiegeln sich in der Auswahl der gezeigten Arbeiten. Das Festival wird durch Vorträge, Podiumsdiskussionen, Workshops, einer Einführung in den brasilianischen Videotanz und den ersten brasilianischen Tanzfilm das Wissen und die Neugierde für diese vitale Tanzszene vertiefen und fördern.

Zwei wichtige Partner, der Hauptstadtkulturfonds und das Kulturministerium Brasiliens, die Hauptförderer dieses Projektes, glauben weiterhin fest an diesen "Tanz" zwischen den Kulturen. Das Hebbel am Ufer als Koproduzent ebenso wie neue und frühere Mitarbeiter wirken entscheidend mit an der Aufgabe, eine "Choreografie" für diesen kulturellen Austausch zu entwickeln.

Deshalb laden wir alle wieder einmal zum Sehen, Hören, Nachdenken und zum Tanzen mit uns ein!

Wagner Carvalho, Björn Dirk Schlüter


Grußwort des Schirmherrn

Wir sind sehr gerührt, dass die zweite Festivalauflage von "move berlim" nun bevorsteht.

Zur Zeit erleben Brasilien und die ganze Welt tief greifende Veränderungen. Da ist es mehr als angebracht, dass dieses Festival noch einmal die ausgezeichnete Arbeit unserer Tanzcompagnien zeigt. Sie sind Protagonisten eines Prozesses, den das Kulturministerium mitgeht, wenn es eine Politik entwickelt, die diese Arbeit aufwertet und landesweit fördern soll.

Das "move berlim" Tanzfestival verstärkt und vertieft die Beziehungen zwischen Brasilien und Deutschland in einer soliden und fruchtbaren Partnerschaft, die einen großen Erfahrungsaustausch beider Länder ermöglicht und den verschiedensten Tendenzen und Tanzsprachen im heutigen Brasilien einen Raum gibt.

Wir laden alle ein, dieses Erlebnis mit uns zu teilen. Wir tun dies mit der uns eigenen Herzlichkeit und unserer brasilianischen Seele, die im Takt mit den Bewegungen unserer Tänzer schwingt.

Herzlichen Glückwunsch zu diesem gelungenen Ereignis, gekoppelt mit einem herzlichen Dankesgruß für diese erneute und großartige Gelegenheit.

Sérgio Mamberti,
Staatssekretär im brasilianischen Kulturministerium
Schirmherr des Festivals